Patricia Kaas ist nach einer Umfrage des Journal du Dimanche die beliebteste Französin.

Klatschen stört nicht

 

 

LiC: Anfang der 90er Jahre haben Sie 200 Konzerte auf einer 16monatigen Tour absolviert, jetzt steht wieder eine Welttournee an. Wie schaffen Sie das?

Patricia Kaas: Das wichtigste für mich ist die Bühne, vor Publikum zu stehen. Es ist das schönste Geschenk für einen Artisten, darum klappt das auch mit dem Touren. Eine Karriere ohne Bühne ist für mich nicht vorstellbar, vielleicht dann, wenn ich 50 bin.

Sie waren in Kanada, Japan und Rußland auf Tournee. Ist das Publikum überall gleich?

In den Ländern, in denen man französisch spricht, können die Leute leichter mitsingen. In Japan zum Beispiel sind die Leute sehr diszipliniert. Die meinen, sie würden stören. Man muß denen fast sagen: Nach dem Lied könnt ihr ruhig klatschen, das stört mich nicht, im Gegenteil.

Ihr aktuelles, fünftes Album, "Dans Ma Chair" ist poppiger vom Sound geworden...

Meistens sagen die Leute, ich singe zu viele langsame Lieder. Und ich wollte mit dem Produzenten Phil Ramone zusammenarbeiten, er ist Amerikaner, ich mag seinen Sound, deshalb klingt das Album vielleicht auch internationaler. Ich habe mein Publikum mit dem Französischen gewonnen, das wird sich auch nicht ändern.

Sagen Sie Ihren Textern, was sie für Sie schreiben sollen?

Meistens sind es Autoren, die ich kenne. Wenn ich Themen habe, die mich interessieren, dann lasse ich darüber schreiben. Meistens schreiben sie Lieder, die ich sehr gut fühlen kann. Ich bringe meine Emotionen dann hinein. Für mich gibt es einen Unterschied zwischen Sängerin und Interpretin. Letztere ist wie eine Schauspielerin, sie spielt die Rolle des Liedes, da muß kein autobiographischer Bezug da sein. Ich verstehe mich als Interpretin.

Auch bei dem aktuellen Song "Je Voudrais La Connaître"?

Das ist ein Lied mit einem sehr starken Text, er hat keinen direkten autobiographischen Bezug. Er handelt von Eifersucht. Es fällt mir leicht, in diese Rolle hineinzuschlüpfen. Ich habe mir vorgestellt, daß ich, wenn ich nach Hause käme und ein fremdes Parfüm riechen würde, mir auch jeden Schmerz antun würde, um die Wahrheit herauszufinden.

 

Interview: Peter Reuter